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TREPTE IM TREIBHAUS


Trepte, heißt einer mehrdimensionalen surrealistischen Musik einen Namen geben. Man muss nur Mut haben richtig hinzuhören und los geht die Fahrt, die surrealistischste und fröhlichste, die es zur Zeit in Deutschland gibt. Ist man erst eingestiegen, dann steht er vor einem, im Fliegeroverall und Zylinder, der kosmischste Showmaster der Welt. Grenzen gibt es in seiner Musik nicht. Absolut frei hantiert er mit Bass, Stimme, Megaphon und seiner Spacebox, in der es Alles gibt. Bei Avantgardist Uli Trepte, der unter anderem auch John Cage und Ernst Jandl in sich vereinigt, ist nichts unmöglich. Außer einem musikalischen Vergleich, denn es gibt nicht einmal eine ähnliche Musik wie Trepte´s. Aus seinem Cockpit heraus steuert er den Planeten – und wenn es sein muss mitten durch den Wahnsinn. Aufgrund dieses brisanten Themas gehört wohl auch ein Feuerlöscher zu seiner Ausrüstung. Das Ganze wird zum Happening. Er ist ein Musiker ohne Routine und Gewohnheiten, deswegen wird jeder Moment neu erlebt.

Früher spielte er Bass bei dem Irène Schweizer Trio, bei Guru Guru sowie der Gruppe Neu und machte mehrere Schallplatten. Im Dezember war er jeden Samstag, vor einem begeisternden Publikum, im Lokal Barobar am Savignyplatz zu hören. Danach spielte er im Fillmore. Jetzt in den folgenden Wochen ist einer der größten Denker: Uli Trepte jeden Mittwoch und Donnerstag ab 1 Uhr im Treibhaus.

Für den Außenstehenden ist nicht einzusehen wieso Uli Trepte und Mani Neumeier von Guru Guru nicht mehr gemeinsam Musik machen. Es ist als ob ein seltener Briefmarkensatz getrennt ist. Aber auch einzeln ist jede Marke schön und hörenswert. Hat man einen Abend lang Trepte´s Solo - Musik - Performance gehört und gesehen, ist man nachher ungezwungener, sieht mehr Möglichkeiten und hat einen Riesen Spaß gehabt.

                                            Dieter Brümmer in HOBO, Berlin Februar 1976

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SPACEBOX SOLO


Mit fünf spielt Trepte mit Murmeln. Mit vierzehn entdeckt er den Jazz, dann den elektrischen Freejazz, dann Neue Musik. Der nächste konsequente Schritt ist Spacebox.

Die Zentrale von Spacebox heißt Uli Trepte. Auf seiner Konzeption basiert der einmalige Sound, der voll auf den Punkt spielt. Das Produkt ist eine Musik mit Wirkung. Es ist die Musik der kommenden Jahrzehnte. Denken und Feeling, geflippt vermischt, bieten hier ein Programm für emanzipierte Ohren. Alle Stücke sind komponierte Freiräume mit einem großzügigen Harmonieraster. Trepte´s Musik ist definierte Freiheit, unmissverständlich zwingt sie den Hörer zur Entscheidung.

Hierzu hat Trepte nun Texte entworfen, die aus literarischer Sicht stark avantgardistisch sind. Diese Texte passen wunderbar zur Musik. Sie sind intensiv strukturiert – mit einer unsichtbaren Rationalität. Thematisch sind sie brisant und stets aktuell. Ihre Direktheit ist typisch für Spacebox.

Die Musik hören und die Show sehen ist synästhetisch. Der bestrickende Sprechgesang und das bewusstseinserweiternde Bassspiel sind der Turn zu einer gehobenen Lebensauffassung. Ein selbstkonstruierter futuristischer Apparat, unter anderem bestehend aus mehreren Radios und Tonbandgeräten, gibt dem Sound eine elektrische Note. Spacebox heißt intelligente Musik.

                                                                          Dieter Brümmer ( 1978 )

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Guru Guru & Uli Trepte (Live & Unreleased)

Rezensionen
Von: Achim Breiling @

Das 1995 bei ATM Records (ein Jahr später auch unter Lizenz bei Spalax) erschienene Archivalbum "Guru Guru & Uli Trepte" enthält Zweierlei. Einmal gibt es einen Live-Mitschnitt der Guru-Guru-Urbesetzung - dem Trio Ax Genrich, Mani Neumeier und Uli Trepte - zu hören, aufgenommen irgendwann 1972 (im Beiheft steht nur "Unknown Location"). Desweiteren sind hier vier Nummern von Uli Trepte zu finden, die 1974 bei einer Session in Conny Planks Studio mitgeschnitten, aber nie veröffentlicht wurden.

Oder, "nie" ist nicht ganz richtig. Alle hier zu findenden Stücke - bis auf "Der LSD Marsch" - sind nämlich erstmals 1985 auf LP erschienen, unter dem Titel "Hot On Spot / Inbetween", als auf 1000 Stück limitiertes Vinyl-Album beim Label United Dairies. Davon gab es 1988 offenbar auch eine CD-Version. Die ATM/Spalax-CD fügt nun noch den "LSD Marsch" bei, so dass das Album eine gut einstündige Krautrockorgie bietet.


Die Live-Stücke sind zwei lange Freak-Outs ganz im Stil der beiden ersten LPs der Band (siehe "Ufo" und "Hinten"), von denen auch die beiden Nummern stammen. Verzerrt und hallend rocken die drei Protagonisten psychedelisch-spacig-kosmisch dahin und durcheinander. Im Grunde sind das zwei lange, bluesig-krautige Rockimprovisationen à la "Cream auf dem Trip", in denen vor allem Genrich allerlei verrückte Sachen mit seiner E-Gitarre anstellt. Etwas weggetretenen "Gesang" gibt es ab und zu auch zu hören. Die Klangqualität ist ordentlich, etwas muffig und dosig, aber die Aufnahmen sind doch sehr gut anhörbar.

1972 hat Uli Trepte Guru Guru verlassen. Danach spielte er kurze Zeit mit Faust, Neu! und Tomorrow's Gift, ehe er mit Carsten Bohn (siehe Carsten Bohns Bandstand, dem ehemaligen Schlagzeuger von Frumpy) anfang 1975 die Band Kickbit Information ins Leben rief. Vorher, irgendwann Mitte-Ende 1974 begab sich Trepte aber mit den hier Beteilgten in Connys Studio, um ein Demo für ein geplantes Solo-Album einzuspielen. Carsten Bohn war auch dabei, aber offenbar hatte das Ganze (noch) nichts mit Kickbit Information zu tun. Mit von der Partie waren jedenfalls noch Christian Burchard und Roman Bunka (beide von Embryo) und Willi Pape (von Thirsty Moon). Das Ergebnis, eine halbe LP, bot Trepte verschiedenen Plattenfirmen an, die jedoch alle dankend abgewunken haben. So verschwand das Material erst einmal in der Schublade.

Einen durchaus seltsamen (krautigen) Jazzrock gibt es hier zu hören, dominiert von Bunkas E-Gitarre, aber auch bestimmt von Flöte, Sax, Marimba und E-Piano. Recht wirr purzeln hier die Klänge durcheinander, mitunter ergänzt durch allerlei elektronische Sounds und Geräusche, Radioeinspielungen und verschiedene, mehr oder weniger sinnvolle Gesangseinlagen (in Deutsch und Englisch). Das klingt durchaus so wie eine jazzlastigere Version der frühen Sachen von Guru Guru, allerdings besser produziert und etwas raffinierter und ausgefeilter dargeboten. Davon hätte ich gerne mehr!


"Guru Guru & Uli Trepte" ist ein durchaus lohnenswertes Album, welches vor allem Krautrock-Freaks und Gruru-Guru-Fans zu empfehlen ist. Durch die Stücke von 1974 bietet das Album auch eine (finaziell) interessante Alternative zum recht kurz ausgefallenen Guru-Guru-Album "Essen 1970", welches fast dasselbe Live-Material der ersten Besetzung beinhaltet.

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Produkt-Beschreibung zu: Multiphonic Music

Der legendäre Bassist von Guru Guru, Neu und Faust mit seinem Herzensprojekt. Nein, die so genannte deutsche Rockmusik ist nicht das Revier von Uli Trepte. Doch mit Projekten, die sich jeglicher Kategorisierung entzogen - wie Guru Guru, Neu, Faust und Spacebox - schrieb der Avantgarde-Bassist Musikgeschichte. Mit "Multiphonic Music" nun erfüllte sich Trepte nach dreißig Jahren einen Wunschtraum: "Aufnahmen meiner Musik mit zwei Blasinstrumenten als Oberstimme, wodurch der in meinem Konzept enthaltene und von ihm geforderte polyphone Charakter zufrieden stellend zu sich kam.". Die Männer, die Trepte bei seiner organisch-elektrisch groovenden Musik blasmusikalisch unterstützen, sind Edgar Hofmann (Embryo) sowie Geoff Leigh (ex Henry Cow). Der Kontrabass von Hans Hartmann (ex Guru Guru) färbte das Ganze obertonreich ein, die Djembé von Tapsi Kim hält mit ihrem pulsierenden Schlag alles zusammen. Und was nun bedeutet multiphonisch? Trepte definiert dies als eine "diagonal/harmonische" und dabei "melodische" Musik. Ja, da hat er wohl Recht.

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ULI TREPTE  Portrait

Uli Trepte war auf der Suche nach dem perfekten, minimalen Groove. Leider stoppte sein eigener Heartbeat 2009 und wir werden es nie erfahren, ob er ihn nun gefunden hat. Die Stationen seines musikalischen Schaffens waren eng verwoben mit dem Krautrock und so schillernden Namen wie GURU GURU, NEU! und FAUST.

Seine eigenen Soloprojekte gingen dabei einwenig unter und so war er am Ende nur noch Insidern ein Begriff, was seinen musikalischen Qualitäten aber in keinster Weise schadete. Anstatt wie viele alte Krautrocker nur von der Vergangenheit zu leben, entwickelte er seine Musik ständig weiter.

Reduktion und kleinste Formationen garantierten für Musik auf höchstem und gleichzeitig sehr individuellem Niveau. Da die Aufnahmen in entspannter Sessionatmosphäre stattfanden, kann man von authentischen, nicht elektronischen Kammerkrautrock mit gelegentlichen Freak-Out-Anleihen sprechen, der sich einer soliden Bluesbasis bedient..

Carsten Vollmer
© by Ox-Fanzine / Ausgabe #88 (Februar/März 2010) 

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